Wie alles begann…

24. Juli 2017 In BEEside No Comments

„Bitte auf keinen Fall mehr selbst fahren, am Besten gleich die Rettung rufen.“ …so die Aussage meines Arztes. Hört sich ernst an, dache ich mir. „Gut Okay, und was genau ist Meningitis“ fragte ich nochmal nach. „Gehirnhautentzündung, damit sollte man nicht spaßen, deshalb bitte sofort ins Krankenhaus“. Dass mir nicht zu Spaßen zu mute war, sollte mir der Arzt eigentlich angesehen haben. Ich seh‘ aus wie „der Hund im Winter“, habe die letzen beiden Tage nichts anderes gemacht als mich zu übergeben und irgendwie versucht die Kopfschmerzen zu kurieren. Na gut, dann fahr‘ ich eben mal ins Krankenhaus… Hmhhh, wie sag ich das jetzt meiner Frau, damit sie sich nicht gleich unnötig Sorgen macht? Es gab anscheinend keinen „vorsichtigen“ Wortlaut, sobald sie Krankenhaus gehört hatte, hat sie ihre Sachen gepackt und ist direkt aus der Arbeit losgefahren. Mein Bruder war freundlicherweise sofort bereit mich ins Spital zu bringen … ich hab‘ dann auch eingesehen, dass selber fahren nicht wirklich ratsam gewesen wäre, immerhin hab ich mich auch unterwegs noch mehrfach übergeben.

Dort aufgenommen, hab ich natürlich einige Tests durchgemacht, während es mir nach wie vor hundeelend ging. Immerhin war Nicole schon an meiner Seite und alleine durch ihre Anwesenheit habe ich mich schon stärker gefühlt. Nachdem ich Blutabnahme und weitere Analyse-Prozeduren hinter mit hatte, wurde ich mal aufs Zimmer gebracht. Und natürlich war es jetzt nicht gerade eine Suite in einem Fünfsternehotel. Beim nächsten Mal als mich ein Arzt im Zimmer zur Visite mit diversen Testergebnissen überschüttet – von denen ich ohnehin nichts verstanden habe – will ich jetzt mal Klartext! „Woher bekomme ich Meningitis?“ frage ich schon ein bisschen strapaziert. „Nun ja, das kann verschiedene Gründe haben…“ Mit den Details möchte ich euch nicht langweilen, aber um es auf den Punkt zu bringen: Mein Neffe hatte Feuchtblattern und bei seiner Geburtstagsfeier hatte ich zugegeben, absolut keine Berührungsängste! Immerhin sagt man, wenn man es als Kind schon einmal hatte ist man ja immun dagegen und ich hatte es als Kind gleich drei mal, also musste ich ja mehr als immun sein! Irrtum! Bei einem sehr geschwächten Immunsystem bekommt man als Erwachsener davon Gürtelrose (wobei in den Ersten Tagen des Krankheitsverlaufs absolut nichts davon zu sehen war) und daraus kann dann Meningitis entstehen. „Und woher habe ich ein geschwächtes Immunsystem?“ frage ich den Arzt. „Naja zum Bespiel wenn Sie viel Stress haben“. Zack! An dieser Stelle muss ich jetzt mal ein bisschen Einblick in mein Leben geben, oder besser gesagt, in mein Berufsleben. Ich kann von mir selbst behaupten, dass ich ein sehr engagierter Mensch bin. Wenn ich etwas angehe, dann strebe ich immer nach Perfektion. Nämlich wirklich und nicht so wie man es nahezu bei jedem Bewerbungsgespräch als geschönte Schwäche verkaufen möchte. Ich häng mich wirklich rein, und vor allem: ich mach mir selbst extrem viel Druck und Stress. Ich könnte mir für mich keinen nine-to-five-Job vorstellen. Ich will am Abend nach Hause gehen und sagen können, dass ich den ganzen Tag so richtig viel gemacht habe. Und weißt du was, ich schalte auch zu Hause nicht ab, denk weiter über die Aufgaben in der Arbeit nach oder setz mich zum Laptop – Mobiles arbeiten ist doch ein Segen! Damals (2013) war ich gerade erst einige Monate in meinem neuen Job und ich habe ihn von Anfang an geliebt. Und natürlich, gerade am Anfang hab ich mich noch mehr ins Zeug geschmissen.

„Haben Sie viel Stress?“ Nein, hab ich nicht, mach ich mir aber! Zugegeben aus heutiger Sicht nicht gerade die Richtige Einstellung, aber nachher ist man immer schlauer…

Den restlichen Tag verbringe ich damit – bei gefühlten 45° Grad im Krankenhauszimmer – geschuldet durch einen zweiwöchigen Rekordsommer –  über meine Work-Life-Balance nachzudenken, obwohl ich das immer für absolut absurd gehalten hatte. Aber zu diesem Zeitpunkt war ich so enttäuscht! Enttäuscht von meinem Körper! Wir waren immer ein unschlagbares Team, ich hab gesagt mach und er hat einwandfrei funktioniert. Und jetzt auf einmal lieg ich da, 4 Infusionen am Arm und kann mich kaum im Bett aufsetzen. Das gibt einen wirklich zu denken. Natürlich gibt es unzählige Menschen die unbeschreiblich schlimmere Schicksalsschläge erleiden – ich will an dieser Stelle wirklich nicht falsches Mitleid erhaschen – aber in dieser Situation war das für mich echt eine harte Nuss.

Nach einer schlaflosen Nacht steht am nächsten Tag ein weiterer Test an. Lumbalpunktion! Never heard before. Kurz erklärt, wird mit einer Nadel in die Zwischenräume der Lendenwirbelsäule gestochen und Nervenwasser entnommen, durch eine Analyse des Nervenwassers geben wichtige Marker Auskunft über Entzündungen der Hirnhäute. Klingt alles super ekelig – ist auch nicht lustig.

„Bitte einen runden Rücken machen und entspannt nach vorne beugen, es ist nur wie ein Bienenstich“ sagt der nette Arzt während er eine Nadel auspackt, die eher an den Ölmessstab eines PKWs erinnert. Na großartig, denke ich mir und versuch meine Gedanken in eine andere Richtung zu lenken. Hhhmm, ein Bienenstich, hab ich schon lange nicht mehr gehabt, kann mich kaum noch daran erinnern wie sich das anfühlt. Überhaupt sehe ich immer weniger Bienen. Es sind zwar bei uns im Garten vereinzelt Bienen aber so wie früher, dass es überall summt und brummt und die emsigen Tierchen herumfliegen und fleißig von Blüte zu Blüte düsen, nein so ist es nicht mehr. Irgendwie schade, ich mag Bienen. „So schon vorbei“ sagt der nette Arzt. War wirklich nicht so schlimm, denke ich mir, hebe den Kopf und richte meinen Oberkörper wieder auf und dann kam etwas was ich so noch nicht erlebt habe. Ein Schmerz als würde mir jemand mit einem Baseballschläger mit voller Wucht ins Gesicht schlagen. Mein Kopf dröhnt und ich versuche mit aller Kraft an etwas anderes du denken, aber mit den Schmerzen geht das nicht. Bienen, Bienen, Bienen sage ich mir in Gedanken wie ein Mantra vor um mich von den Qualen abzulenken, bis irgendwann der Schmerz wieder „erträglich“ wurde, ich mich hinlegen konnte und ziemlich geschwächt einschlafe.

Die darauf folgenden 10 Tage hatte ich bei brütender Hitze, regelmäßigen Infusionen und Krankenhausessen, dass zugegeben nicht so schlecht war wie der Ruf der ihm vorauseilt, jede Menge Zeit um Nachzudenken. Darüber, wie ich vielleicht in meiner Freizeit etwas finde, dass mich aus dem Alltag holt und mich ein bisschen zur Ruhe zwingt. In dieser Zeit habe ich dann den Entschluss gefasst, dass ich es mit Imkern versuchen möchte. Ja, mir ist bewusst, dass das eine große und verantwortungsvolle Aufgabe ist und – genau genommen – wesentlich fordernder ist als ein „normales“ Hobby, aber die Vorstellung die Tiere zu beobachten, verstehen zu lernen und zu pflegen gefiel mir sehr gut. Außerdem, dachte ich mir, wenn ich mit Bienen arbeite, muss ich mich voll und ganz auf diese Tätigkeit konzentrieren und – was wahrscheinlich noch Wichtiger ist – ich muss ruhig sein. Ruhig im Sinne von nicht hektisch und nicht gestresst. Ehrlich gesagt habe ich damals imkern als eine Form der Therapie gesehen – habe es mir zumindest so vorgestellt und ab diesem Zeitpunkt stand mein Entschluss fest. Obwohl ich mir natürlich nicht gleich auf dem Nachhauseweg vom Krankenhaus Imker-Equipment und Bienen gekauft habe, so war doch der Plan geboren, dass ich mich in diese Thematik einlesen möchte um irgendwann den Traum von den eigenen Bienenvölkern verwirklichen zu können. Und angefangen habe ich dann gleich damit, meinen Geist, meine Gedanken und mich selbst zu entschleunigen und zu entstressen. Wochen, Monate und sogar Jahre vergingen in denen ich den Plan noch immer nicht in die Tat umgesetzt habe. Aber ausgeträumt war dieser Traum deshalb noch nicht. Eines Tages werde ich Imker.

Leave a comment

Neuzugänge